Disput

Der Fall Wikipedia: "Eine Richtigstellung"

 

Ein klassischer Fall manipulativer Darstellung ist der Wikipedia-Eintrag über Jürgen Liminski (…). Aus einer Sekundärquelle (kath.net) über Liminski  wird falsch zitiert. Wikipedia legt Liminski Aussagen in den Mund, die er selber nicht gemacht hat. Vielmehr hat er eine Studie des Schweizer Kantons Sankt Gallen über Jugendkriminalität beschrieben und eine weitere des Kriminologischen Instituts Niedersachsen herangezogen und auch darauf hingewiesen, dass es wenig zuverlässiges statistisches Material zu den geschilderten Zusammenhängen gibt. Kath.net. nennt journalistisch korrekt die Quellen, Wikipedia nicht. So entsteht der Eindruck, Liminski behaupte einfach Zusammenhänge ohne Belege und bewerte allgemein Patchworkfamilien. Die (banale) Hauptaussage, daß intakte Familien vor Jugendkriminalität schützen, wird überhaupt nicht erwähnt. Diese Manipulation grenzt an Lüge und übler Nachrede.  Auch stimmt die Aussage seit vielen Jahren nicht mehr, Liminski schreibe in der Preußischen Allgemeinen Zeitung. Ferner: Wer dem kryptischen Hinweis auf eine Zusammenarbeit mit dem Aktionsbündnis Familie nachgeht findet weder den Namen Liminski noch den des Instituts für Demographie, Allgemeinwohl, Familie e.V. (www.i-daf.org), was auch nicht weiter verwunderlich ist, denn das Institut ist mit keiner Organisation verlinkt. Es liefert als Fact-Tank Argumente und Fakten für die öffentliche Diskussion, beteiligt sich qua Institut aber nicht an Aktionen oder tagespolitischen Demonstrationen. Wieder wird manipulativ ein falscher Eindruck erweckt. Dasselbe gilt für die grammatisch verwirrende Aussage: „Er warf sowohl der großen als auch der rot-grünen Koalition „Verrat an den Familien“ vor, welcher z.B. durch das Elterngeld der „Keimzelle des Volkes schleichend die Lebensgrundlage“ entziehe“. Gemeint ist vermutlich der Staat oder die Regierung, die der Keimzelle die Lebensgrundlage entziehe, was den Verrat an der Familie ausmache. Dafür steht weniger das Elterngeld, das ein kleiner Schritt in die richtige Richtung ist, wie der Autor häufig betont hat, sondern ein halbes Dutzend anderer Maßnahmen (Kürzung der Bezugsdauer des Kindergeldes, ersatzlose Streichung des Baugeldes, Verkürzung des Erziehungsgeldes durch das Elterngeld, wodurch eine Umverteilung von unten nach oben entsteht, etc. etc.). Solche Zusammenhänge darzustellen ist für Wikipedia offenbar zu mühsam. Manipulieren ist halt viel schöner. Richtig ist das Geburtsdatum. Richtig ist auch der Hinweis auf den  Renteneintritt beim Deutschlandfunk. Falsch wiederum ist der Hinweis auf den Vorsitz beim Landesverband NRW der Paneuropa-Union. Das war mal. Die letzte Korrektur bei diesem Wikipedia-Eintrag datiert vom 23. September. Bei der Gelegenheit hätte ein Anruf beim Objekt der Manipulation genügt, um manches gerade zu rücken, zu ergänzen oder zu streichen. Es wäre nicht nur fair, sondern auch enzyklopädisch korrekt gewesen.

Der Fall Spiegel: "Vorurteil und Ächtung, aber Recherche"

 

Wahlkampf 2005, der ehemalige Verfassungsrichter Paul Kirchhof ist als Finanzminister im Kabinett Merkel vorgesehen. Anruf im Hause Liminski. Ein Stimme sagt:

 

„Spiegel hier, Hamburg. Sind Sie der Herr Liminski?“

„Ja“.

„Sind Sie im Opus Dei?“

„Ja“.

„Ist Kirchhof auch im Opus Dei?“

„Nicht dass ich wüsste.  Fragen Sie ihn doch. Und warum fragen Sie überhaupt mich?“

„Kirchhof hat doch das Vorwort in Ihrem Familienbuch geschrieben“.

„Ja und?“

„Wenn er mit nem Opus-Mann Kontakt hat, kann er nicht Finanzminister werden.“

„Sie meinen, wer beim Beten erwischt wird, ist für die Politik disqualifiziert?“

„Neh, so nich. Aber is doch klar. Opus geht nicht in Deutschland.“

„Sie meinen, Opus-Leute müssten geächtet werden?“.

„Nennen Sie’s wie Sie wollen. Opus läuft hier nicht.“

 

Der Versuch, dem Spiegel-Redakteur zu erklären, daß eine Mitgliedschaft in einer Vereinigung  von Laien innerhalb der katholischen Kirche eine Privatsache sei und mit Arbeit und Beruf nur insofern etwas zu tun habe, als man diese Arbeit entsprechend dem Geist des Opus Dei besonders gut verrichten wolle, schlägt völlig fehl. „Jah, jah, is klar. Sie müssen ja so reden“.

„Und Sie müssen wohl Ihr Vorurteil gegenüber Kirche und Gläubige pflegen“.

 

Man kommt in der Sache nicht weiter. Immerhin sieht der Redakteur ein, daß die Bekanntschaft zwischen dem Verfassungsrichter und Ministerkandidat Kirchhof und dem Autorenpaar des Buches „Abenteuer Familie“ auf dem gemeinsamen Interesse an der Familie als Institution der Gesellschaft beruht und mit religiösen Ansichten nichts zu tun hat. Der vom Redakteur angekündigte Enthüllungsartikel über Kirchhof erscheint nicht – mangels Material. Und das muss man dem Spiegel zugute halten: Bei allen Vorurteilen gegenüber Kirche und Glaube, man recherchiert (dazu gehört auch ein Anruf bei Beteiligten) und wägt ab. Andere machen weder das eine noch das andere. Sie gehen lieber seltsamen Verschwörungstheorien nach. Siehe Taz, siehe Püttmann, siehe Wawatschek, siehe Wikipedia.

 

Der Fall BR: "Fehlende journalistische Sorgfalt der Kollegin Veronika Wawatschek"

Der Fall Taz : Verschwörungstheorie mal von links

 

Endlich ist auch die Taz auf mich aufmerksam geworden. In dem Artikel, ein Vierspalter mit dem Titel "Die Liminski-Connection", wird allerdings eine Verschwörungstheorie aufgebaut, auf die es sich nicht weiter lohnt einzugehen, ähnlich wie bei rechten Verschwörungstheorien, bei denen auch hinter jedem Busch ein Kommunist lauert. Ich dachte immer, solche Theorien seien ein Privileg der Rechten. Aber offenbar berühren sich die Extreme auch in diesem Punkt.

Der Fall KAS : "Kein offizielles Dokument der Adenauer-Stiftung"

 

Seit einiger Zeit bemüht sich Andreas Püttmann, Publizisten, die sich für die traditionelle Ehe und Familie einsetzen, mit dem Etikett "rechtsradikal" zu versehen und sie so im politischen Diskurs und auch in der innerkirchlichen Diskussion zu stigmatisieren. Angesichts der Ausschreitungen von Rechtsradikalen gegen ausländische Flüchtlingsfamilien ist das besonders empörend und erfüllt sicher auch den Tatbestand der üblen Nachrede. Püttmann hat für seine These Verbündete gefunden, die mit ihm diese Idee auf alle ausdehnen, die in der gesellschaftspolitischen Diskussion nicht im Mainstream mitschwimmen. Bisher stand in diesen Kreisen rechts und rechtsradikal vor allem für Nationalisten und Patrioten. Jetzt sollen vermutlich alle mit diesem Etikett bedacht werden, die sich erlauben, selber zu denken und multikulturelle Modelle nach ihren Leitideen zu hinterfragen. Dazu gehören auch Personen, die sich mit dem Skandal der Abtreibung in einem reichen Land nicht abfinden wollen und leicht despektierlich als "Lebensschützer" bezeichnet werden. Die Stigmatisierung – man kann bei der Unterstellung rechtsradikal in Deutschland auch schon von Ächtung sprechen - hat den Vorteil, dass man mit solchen Leuten nicht diskutieren, sich also nicht mit ihren Argumenten auseinanderzusetzen braucht. In dieser Logik ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch Politiker und Bischöfe, die sich am biblischen Menschenbild orientieren und sich zum Beispiel für das ungeborene Leben, für Ehe und Familie (mit Vater, Mutter Kind oder Kindern) einsetzen und sich auch in diesem Sinn öffentlich äußern, ebenfalls als "rechtsradikal" stigmatisiert werden. Diese Art der Ächtung ist eigentlich aus Diktaturen bekannt. So wurden in diesem Sinn Methoden der Desinformation im KGB entwickelt oder werden heute im nahöstlichen Raum Andersdenkende persönlich diffamiert (Fachleute der Mullah-Diktatur im Iran kennen das als takhrib und siahkari). Eine beliebte Methode war und ist, Thesen und  Behauptungen zunächst in kleineren, gleichgesinnten Publikationen zu veröffentlichen und zu versuchen, durch Zitieren und Verweisen ihnen einen wissenschaftlichen Anstrich zu geben. Dabei müssen nicht alle Beteiligten Ideologen sein, es reicht, wenn einige, es gut meinende Autoren oder Institutionen nur instrumentalisiert werden.

 

Das ist jetzt mit einer internen Schrift der Konrad-Adenauer-Stiftung fast gelungen. Sie hat in der Stiftung für Aufsehen und sogar Empörung gesorgt. Allerdings haben sich dem Vernehmen nach Personen aus dem kirchlichen Raum, nicht zuletzt aus dem ZdK, auch dafür eingesetzt, "Püttmann nicht im Regen stehen zu lassen". Diesen (dem Autor bekannten) Personen sind die offiziellen Positionen Roms offensichtlich ein Dorn im Auge und sie erhoffen sich durch die Ächtung derjenigen, die diese Positionen verteidigen, eine Schwächung oder Änderung der Lehre Roms. 

 

Sie alle können beruhigt werden: Weder Püttmann noch die personalen Objekte seines Verfolgungswahns stehen im Regen. Aus der Stiftungsführung wurde mir versichert, bei diesem Aufsatz, der den "redaktionellen und wissenschaftlichen Standards der Stiftung nicht genügt", handele es sich "nicht um ein offizielles Dokument der Adenauer-Stiftung". Es ist auch in der Tat nirgends offiziell veröffentlicht. Die Email-Exemplare, die wohl von interessierter Seite gezielt gestreut werden, um die Thesen mit dem Siegel KAS zu verbreiten, darf man also als eine Art von publizistischem Missbrauch betrachten.

 

Nebenbei bemerkt: Der Autor Liminski hat einen doppelten Migrationshintergrund. Seine Eltern stammen aus Polen, seine Frau aus Frankreich. Seine Kinder haben die doppelte Staatsbürgerschaft, zum Teil auch Taufpaten aus Nahost. Er selbst bezeichnet sich als Wahl-Bretone.

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